Historie

Im „Planet Alpen“ schreibt der Historiker und Alpenforscher Prof. Dr. Hans Haid über den Ritter Freiherr von Alpenburg, der im Jahre 1858 suchend, forschend und notierend durch die Berge und Täler der Ötztaler Alpen zog: „Seine detailreiche, manchmal poetisch-romantische, dann wieder sehr präzise und realistische Beschreibung von Land und Leuten gehört noch immer zu den wichtigsten Schriften über diese Landschaft. Nirgends sonst in der heimischen alpinen Literatur und den Reisebeschreibungen entdeckte ich so bemerkenswerte Erkenntnisse des Naturforschers über Gletscher und Eis.“

 

Ritter Freiherr von Alpenburg

Aus der Schrift von Ritter Freiherr von Alpenburg: „Der Wissenschaft willen baut er sich in die Welt des ewigen Eises seine Hütte, er weiß, dass dieses scheinbar Todte und Starre ein tief verborgenes geheimnisvolles Kraftleben enthält, von welchem man bis jetzt weder die Form noch die Gesetze genau kennt ... Jetzt hat man nur alte Sagen und neuere Beobachtungen von Fremdenführern, Schafhirten und anderen Leuten für sich, welche mit den Fernern im nächsten Verkehr stehen: Sobald griesgrame und verstummte oder einsilbige Fremde über die Ferner gingen, und auf die dicken Eispfade kamen, wurden sie alsbald munter und gesprächig, selbst ältere Leute sprangen lustig wie junge Buben ... Dieser Meinung zufolge findet auch der Brauch mancher Hirten seine Erklärung, die, wenn sie sich unwohl fühlen, längere Zeit auf dickes reines Fernereis ausstrecken oder in Eisklüften verweilen, um sich „auszufrischen“ und gesund zu machen …"
Alpenburg beschreibt einige Fälle, so aus dem Jahre 1837 über den Gallmeier Jak., 1848 vom Wundarzt Anton Götsch aus Tschars, oder aus dem Jahre 1856 vom Schnalser Johann Platter, die alle mit Hilfe von Eis-Kuren gesund gefroren wurden. „Indessen gewinnen die Leute von Naturns und Sonnenberg immer mehr Zutrauen, und manche armselige Schäferhütte beherbergt einen Patienten …“

 

Gletscherbeobachter und Arzt Georg Götsch

Er schreibt 1864: „Mehr noch der Mensch den wohlthätigen Gletschereinfluß vollkommen. Wenn auch die reine leichte Luft, die frischen Quellen in den Alpen ohne auf die meisten Menschen wohlthätig wirkt, so tritt doch, da die Ausdünstung schon durch verminderten Luftdruck sehr stark ist, bei trockener warmer Witterung unter Tags eine gewisse Abspannung und Mattigkeit ein. In der Nähe der Gletscher hingegen, wo durch ihre starke Verdünstung und strahlende Kühlung stets das gehörige Maaß von Frische und Feuchtigkeit erhalten wird, tritt niemals diese Abspannung und Mattigkeit ein; daher ist auch der Stoffwechsel und somit der Appetit stets angeregt, das Athmen so leicht, die Bewegung fast ohne Ermüdung, mehr Bedürfniß, der Schlaf ohne Träume und der Geist so frei, gehoben; ja beim Anblick der großartigen Naturumgebung in einer beinahe fortwährend poetischen Stimmung. Allein nicht nur der gesunde Mensch fühlt sich im Sommer in der Nähe der Gletscher, sobald die Akklimatisierungszeit der ersten acht Tage vorüber ist, so wohl und genießt das Leben so vollkommen ohne Abspannung; sondern dieser Aufenthalt kann unter Umständen auch zur Besserung und Vervollkommnung des Gesundheitszustandes beitragen. Es dürfte nach eigener Erfahrung und Beobachtung für ein im Wachsen gehindertes jugendliches Individuum, für manche geschwächten Naturen, sowie für solche Menschen, bei denen eine sogenannte Umstimmungskur angezeigt ist, kein geeigneterer Ort, keine billigere Anstalt zu finden sein, als der sechs- bis zehnwöchige Aufenthalt in der Nähe eines Gletschers, bei so leichter und reiner Luft, so frischen Quellen und vor allem bei der fetten und starknährenden Ziegenmilch, besonders bei Gletschern, die tief in einen Thalkessel herabreichen, wie z. B. in Sulden und Pitzthal. Selbst äußere Krankheiten sind schon durch den Einfluß der Gletscher auffallend schnell geheilt worden, z. B. veraltete Frostbeulen, hartnäckige Fußgeschwüre, Kupfernase* u.v.m., indem die kranken Theile einige Male an oder in unmittelbarer Nähe des Gletschereises gehalten wurden. Es dürfte hier nebst der Kälte noch ein anderer Umstand wirksam sein, nemlich die Eigenschaft des Gletschereises den Sauerstoff anzuziehen und dadurch die Körper zu desoxydieren; daher werden metallene Gegenstände in und auf dem Gletscher stets rein gefunden, und das Fleisch der Thiere wird in den Spalten desselben in kurzer Zeit ganz weiß.“


* Kupferausschlag - Acne rosacea: Chronische Hautkrankheit, welche von den Schmerbälgen der Haut ausgeht und sich ausschließlich im Gesicht, vorzugsweise auf der Nase und erst von da aus auf die nächstgelegenen Teile der Wangen und der Stirn sich ausbreitend, zeigt.

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